Einmal Paris und zurück! von Mika S. (8a)

Reise­bericht Mika Stu­dent, Klasse 8a

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Meine Teil­nahme am Marathon-Freuret Cal­lenge CEP, Paris

Es ist Dien­stag­mor­gen. Eine Fechtkol­le­gin holt uns mit ihrer Mut­ter zu Hause ab. Es geht nach Paris zu einem Fechtlehrgang und einem sehr großen inter­na­tionalen Turnier. Ich habe schon an vie­len größeren Turnieren teilgenom­men, aber ein Turnier mit über 900 Fechtern aus Län­dern wie Chi­na, Rus­s­land, USA, Israel, Ägypten und vie­len weit­eren Natio­nen ist für mich totales Neu­land. Ich bin sehr aufgeregt.

Es geht los. Gut 6 Stun­den Fahrt liegen vor uns. Da wir das gle­iche Hob­by haben haben wir auch rel­a­tiv viele Gespräch­s­the­men und die Zeit geht schnell um. Kurz vor Paris wird es langsam dunkel und es fängt wahnsin­nig an zu schneien. Deshalb dauern die let­zten Kilo­me­ter dann doch etwas länger. Rechts neben der Auto­bahn sehen wir ein Schild mit ein­er großen Mick­ey Mouse. Dis­ney­land wäre auch ein nettes Ziel gewe­sen, aber für uns ist es das Zeichen dafür, dass wir bald an unserem Hotel ankom­men.

Geschafft. Das Zim­mer ist zwar recht klein, aber zweck­mäßig. Die haben wohl nicht so viel Platz hier in Paris scherzen wir. Jet­zt schnell schlafen und mor­gen geht es los.

Es ist 7 Uhr, der Weck­er klin­gelt. Schnell fer­tig machen, früh­stück­en und auf zur Halle. Den Weg find­en wir sehr schnell, wir fol­gen ein­fach ein­er Gruppe von ca. 20 Asi­at­en mit Fecht­taschen. OMG! Die sind ja mit ganzen Del­e­ga­tio­nen hier angereist. Mein Blut­druck steigt. Wir betreten eine Sporthalle mit unendlich vie­len Fecht­bah­nen und suchen uns einen Platz auf der Tribüne. Schnell fer­tig­machen für das Aufwärm­train­ing. Eine Frau über­set­zt die Begrüßungsrede des ital­ienis­chen Camp-Train­ers auf englisch und franzö­sisch. Es ist der ehe­ma­lige ital­ienis­che Flo­rett-Fechter Ste­fano Ceri­oni. Er hat zwis­chen 1984 und 1996 an allen olymp­is­chen Som­mer­spie­len teilgenom­men und dabei zwei Gold- und eine Bronzemedaille gewon­nen.

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Nach einem aus­giebi­gen Aufwärm­train­ing mit vie­len Tipps für die Turnier­vor­bere­itung und mit schmerzhaften Dehnübun­gen fol­gen unzäh­lige Freige­fechte. Auf der Final-Planch­es macht sich ein großer amerikanis­ch­er Fechter warm. Wow! Das ist ja Race Imbo­den, ein amerikanis­ch­er Weltk­lasse­fechter, der bei der Olympiade in Rio die Bronzemedaille gewann. Und wir dür­fen gegen ihn fecht­en. Sehr cool!

Ich nutze die Zeit und fechte gegen unzäh­lige Fechter aus Eng­land, Israel, Chi­na, Ägypten und aus aller Welt. Alle sind unglaublich nett. Wir tauschen uns aus und ich beobachte deren Fecht­stile. Viele Fechter aus anderen Natio­nen erler­nen das Fecht­en auf eine ganz andere Art als wir in Deutsch­land. Das wird eine harte Num­mer. Aber es gelingt mir doch mich gegen mehr Geg­n­er durchzuset­zen als ich gedacht hätte.

Am zweit­en Tag des Camps ist der Ablauf gle­ich. Aufwärm­train­ing, fecht­en, fecht­en, fecht­en. Ich spüre meine Ober­schenkel­musku­latur. Aber gewaltig.

Drit­ter Tag. Wir haben heute Vor­mit­tag frei und nutzen die Zeit um wenig­stens den Eif­fel­turm zu sehen. Mit dem Taxi fahren wir dor­thin um Zeit zu sparen. Da wir schon­mal da sind muss meine Mut­ter natür­lich noch Fotos von mir und unser­er Begleitung in Fechtk­lei­dung machen. Pein­lich: wir wer­den zur Attrak­tion des Tages. Unzäh­lige gle­ichgek­lei­de­ter Chi­nesin­nen bleiben ste­hen und fotografieren uns. Bloß schnell wieder den Train­ingsanzug anziehen und per Google-App zur näch­sten Metro-Sta­tion. Es wird auch Zeit, um 14 Uhr begin­nt die Waf­fenkon­trolle. Also gehen wir einen Schritt schneller und steigen in eine völ­lig über­füllte Unter­grund­bahn ein. Es macht Spaß auf diese Art die Stadt zu erkun­den. Im näch­sten Jahr müssen wir dafür unbe­d­ingt etwas mehr Zeit ein­pla­nen.

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OK. Wir kom­men an der Halle an. Die Tür ist noch ver­schlossen. Cir­ca 150 Fechter und deren Begleit­er warten bere­its in ein­er lan­gen Schlange. Ich befürchte Schlim­meres. 900 Fechter zur Waf­fenkon­trolle, bei der Deutschen Meis­ter­schaft waren es immer­hin 300 und das hat schon Stun­den gedauert. Nach­dem die Tür geöffnet wurde, müssen wir durch einen Sicher­heitscheck. Paris halt, macht Sinn. Uner­warteter­weise ist alles sehr über­sichtlich und wirk­lich gut organ­isiert. Acht Tis­che an denen die Waf­fenkon­trolle durchge­führt wird. Man bekommt eine Num­mer und den entsprechen­den Tisch dann zugewiesen. Auf ein­er riesi­gen Vide­owall kann man sehen wer bere­its fer­tig ist. Es dauert etwas, aber wir sind doch viel schneller fer­tig als ich dachte. Danach geht es ab ins Hotel und früh schlafen.

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Es ist jet­zt Sam­stag, der erste Turniertag. Um 5 Uhr klin­gelt unser Weck­er. Schnell ab unter die Dusche und erst­mal in Ruhe wach wer­den. Mist! Das Wass­er ist kalt. So fängt der Tag ja schon gut an. Also dann doch etwas schneller duschen, langsam früh­stück­en und ab zur Halle. 6.30 Uhr, schon wieder eine lange Schlange vor der Hal­len­tür. Ich ver­suche ruhig zu bleiben, klappt aber nicht. Tür auf, Sicher­heit­skon­trolle, Platz suchen warm machen. Gar nicht so ein­fach. Die Halle ist prop­pen­voll. 

Die Vor­runde begin­nt. Ich muss alleine zur Bahn. Meine Mut­ter beobachtet alles von der Bande aus und ver­sucht über die Inter­net­seite her­auszufind­en wo wir als näch­stes hin müssen. Das Turnier find­et in fünf Hallen gle­ichzeit­ig statt. Zwei Gefechte gewon­nen, drei ver­loren. Mist, hätte bess­er laufen kön­nen. Dem Ital­iener aus mein­er Gruppe, der sich ger­ade vor Aufre­gung auf der Planche übergeben musste, geht es schlechter als mir.  Aber wir sind ja auch nicht irgend­wo auf einem Turnier. Ich lerne einen net­ten Englän­der und einen Chi­ne­sen ken­nen und wir unter­hal­ten uns auf englisch. Schule macht manch­mal doch Sinn. 

Meine Mut­ter ruft. Wir müssen die Halle wech­seln. Schnell wird alles in die Tasche gewor­fen und wir fol­gen wieder ein­mal ein­fach der Masse. Gott sei Dank ist es die richtige Halle die wir erre­ichen. Sicher­heit­skon­trolle, umziehen, fecht­en. Israel, Ägypten und zweimal Frankre­ich sind jet­zt dran. Zwei gewon­nen, zwei ver­loren. Den aus Israel habe ich etwas unter­schätzt. Egal, ich bin noch nicht raus. Wieder zurück in die alte Halle. Im 256er Tableau muss ich gegen einen Ital­iener fecht­en. Der geht mir ger­ade mal bis zum Bauch. OK, ich passe mich seine Größe an so gut ich kann und nutze meine Länge. 10:2 gewon­nen. Also weit­er. Wir warten was die Lis­ten sagen. Bahn 13. Das Gefecht ist gegen einen Fran­zosen. Ich gewinne wieder. Jet­zt 10:3 für mich. Und wieder weit­er. Wieder Bahn 13. Der Sicher­heits­mann lässt mich nicht durch. Also dann mal etwas deut­lich­er, der Obmann wartet schon. Das ist das dritte Gefecht inner­halb der let­zten hal­ben Stunde. Ich bin echt fer­tig. Ein Fran­zose ist mein Geg­n­er. Mist, ich liege 5:0 zurück. Jet­zt wird’s eng. Also nochmal mit aller Kraft voraus. Ich kann auf 9:8 auf­holen. Der näch­ste Tre­f­fer gehört dem Fran­zosen. Schade, aber immer­hin auf Platz 109 von 227 Fechtern in mein­er Alter­sklasse. Wir sind sehr zufrieden. Wir beobacht­en noch ein wenig das Turniergeschehen und machen uns dann auf den Weg zum Hotel. Das Wass­er ist immer noch kalt. Mist! Aben­dessen bei MCD, weit­er schaffe ich es nicht mehr. Schlafen, auf­ste­hen, pack­en. Kurz zur Halle und guck­en was mein deutsch­er Kol­lege macht. Wir drück­en ihm die Dau­men. Es geht heim. Ich ver­schlafe die halbe Zeit im Auto und bin froh, als wir wieder zu Hause angekom­men sind. Aus­pack­en, schlafen. Endlich auss­chlafen!

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